Börsennotierung
Börsennotierung: Ein Blick hinter die Kulissen
Große und bekannte Unternehmen sind meistens an der Börse notiert. Eine Börsennotierung ist Voraussetzung dafür, dass die Aktien einer Gesellschaft auf dem Börsen-Parkett gehandelt werden können. Eine Börsennotierung erfolgt jedoch nicht automatisch für jede Aktiengesellschaft. Vielmehr ist dafür ein langer Weg erforderlich.
Am Anfang einer jeden Börsennotierung steht der Beschluss eines Unternehmens, sich durch die Emission neuer Aktien frisches Kapital zu beschaffen. Dieses kann zur Finanzierung betrieblicher Investitionen ebenso genutzt werden wie zur Auszahlung der Alteigentümer. Die Börsennotierung wird vom Vorstand eines Unternehmens in die Hände mehrerer Banken gelegt. Das Team dieser Banken wird auch als Konsortium bezeichnet, an dessen Spitze eine bestimmte Bank, der so genannte Konsortialführer, steht.
Das Bankenkonsortium sucht im Vorfeld der Börsennotierung nach potenziellen Investoren. Dabei werden gezielt Fonds und andere institutionelle Anleger abgesprochen, die Interesse an einem Einstieg in das Unternehmen haben könnten. Wie groß dieses Interesse ausfällt, richtet sich zum einen nach der Geschäftslage und den Perspektiven der Gesellschaft, zum anderen aber auch nach dem Börsenklima.
Die Erfahrung zeigt, dass eine Börsennotierung in einem schwachen Kapitalmarktumfeld sehr schwierig ist. Oft finden sich nicht genügend Käufer, so dass Abstriche beim Emissionspreis gemacht werden müssen. Das aber ist selbstredend nicht im Sinne der Aktiengesellschaft und ihrer Eigentümer. Am Tag der Erstnotiz werden die Aktien an der Börse angeboten und können von Anlegern gezeichnet werden. Schon im Vorfeld der ersten Börsennotierung wird dabei vom Bankenkonsortium eine plausible Preisspanne ermittel, die sich aus dem Interesse der angesprochenen Investoren ergibt. Die Vorbestimmung der Preisspanne findet ohne jegliche Regulierungsvorschriften und weitestgehend hinter verschlossenen Türen statt, so dass im Jargon auch gerne vom Graumarkt gesprochen wird. Das Bankenkonsortium betreut die neu gelistete Aktie auch in den ersten Wochen und Monaten nach der Erstnotiz. Insbesondere besteht die Möglichkeit, einen Teil der emittierten Aktien wieder zurückzukaufen und so ggf. den Kurs zu stabilisieren, wenn dies erforderlich scheint. Die Entwicklung der Aktien in den ersten Wochen nach der Börsennotierung ist für den weiteren Verlauf sehr wichtig: Gibt der Kurs sehr schnell und deutlich nach, ist das Papier für viele Investoren per se uninteressant und verliert an Bedeutung.
Eine Börsennotierung bringt für Unternehmen neue Anforderungen mit sich. Die Deutsche Börse verlangt, dass einmal im Quartal ein Geschäftsbericht veröffentlicht wird. Es handelt sich dabei zwar nicht um eine gesetzliche Pflicht, weil diese eine jährliche Rechnungslegung vorschreibt. Eine Börsennotierung in einem gehobenen Segment – wie etwa dem Prime Standard – erfordert aber darüber hinausgehende Aktivitäten, die der Transparenz dienen sollen. Nicht zu unterschätzen sind die Kosten einer Börsennotierung. Diese beginnen mit dem Weg auf das Parkett: Die Konsortialbanken verlangen hohe Kosten für ihre Leistungen. Darüber hinaus muss ein Unternehmen vor dem Börsengang viel Geld in PR und Marketing investieren, um seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Die Kostenbelastung setzt sich nach der Erstnotiz fort: Die Anforderungen an Öffentlichkeitsarbeit und Maßnahmen im Sinne der Investor-Relations machen besonders mittelständischen Unternehmen zu schaffen, die deutlich geringe Umsätze erzielen als die Global Player und durch die Börsennotierung im schlimmsten Fall spürbar geringere Gewinne erwirtschaften.